Sonntag, 10. August 2014

Sustenhorn (3503m) von der Tierberglihütte

Das Wetter und die daraus resultierenden Verhältnisse in den Bergen machen die Planung ziemlich schwierig. Für den heutigen Tag sollte wieder ein geringeres Risiko von Schauern und Gewittern bestehen. Der Mitarbeiter in einem Bergsportladen hier in Meiringen hatte uns am Vortag erklärt, dass seinem Gefühl nach der vom Wetterbericht her unkalkulierbare Föhn eintreten würde und die Region um den Sustenpass von schlechtem Wetter frei halten sollte. Wir planten entsprechend eine Tour zum Sustenhorn.

Der Normalweg auf das Sustenhorn ist eine Hochtour, für die man morgens von der Tierberglihütte aus startet. Die Hütte selber kann man vom Hotel Steingletscher in drei Stunden erreichen. Über das Fahren auf einer gebührenpflichtige Straße kann man den Fußweg zur Hütte auf zwei Stunden verkürzen.

Wir entschlossen uns, am nächsten Morgen etwas früher aufzustehen und den Hüttenweg vor die Tour anzuhängen. So sparten wir uns die Nacht in einem eventuell vollen und lauten Lager und die Preise für die Übernachtung.

Hüttenfrühstück um 2:45 Uhr (in der Ferienwohnung)

Nach dem Frühstück fuhren mit dem Auto zum Hotel Steingletscher unterhalb des Sustenpass. Von dort aus lösten wir die Bewilligung für die Privatstraße am Automaten. Am Ende der kleinen Straße auf ca. 2100m Höhe parkten wir das Auto und gingen zu Fuß weiter auf dem markierten Hüttenweg zur Tierberglihütte. 

Aufbruch auf ca. 2100m Höhe am Ende der Privatstraße
Der Hüttenweg ließ sich gut finden. Nach einiger Zeit über einen Schotterweg wurde der Weg steiler und steiniger. Man musste teilweise über ein paar plattige Stellen im Fels hinwegsteigen und gewann schnell an Höhe. Noch auf dem Weg zur Hütte wurde es langsam dämmerig.


Bevor wir die Hütte erreichten, erreichte uns ein starker Wind. Auf den letzten Metern zur Hütte kühlte uns der Wind ziemlich aus. Die Temperaturen waren eigentlich sogar zu hoch doch der Wind verdeckte hier oben diesen Umstand.

Tierberglihütte auf 2795m

Die Tierberglihütte als erste Etappe unserer Tour erreichen wir nach knapp zwei Stunden um 6:07 Uhr. Wir stiegen kurz hinter der Hütte auf den Gletscher ab und seilten uns an. Mittlerweile war es so hell, dass wir die Stirnlampen nicht mehr brauchten. Obwohl alles kalt war, schmiertern wir uns die Gesichter noch mit Sonnencreme ein und starteten unseren Anstieg über den Gletscher.

Anseilen unterhalb der Hütte auf dem Gletscher

Wie erwartet waren wir nicht die einzigen, die heute das Sustenhorn besteigen wollten. Von der Hütte aus waren schon einige Seilschaften gestartet. Eine davon war direkt vor uns auf dem Gletscher.


Die Sicht auf der Tour war unterschiedlich schlecht. Mal steckten wir in dicken Wolken und mal konnte mal ein paar Dinge in näherer Umgebung erkennen. Die Orientierung war durch die gute Spur auf dem Gletscher kein Problem. 


Nicht ganz perfekt waren die Firnverhältnisse. Auf einem Teil des Gletschers hinter der Hütte hatten sich wässrige Schneematschfützen gebildet. Später wurde der Schnee weniger nass, man stapfte jedoch immer noch durch weichen Firn. Da viele Teile der Route den Gletscher queren und nicht so steil sind, wäre man bei festem Firn sicher ziemlich fix vorangekommen.


Auf dem obigen Bild sieht man Chuck am etwas steileren Hang des Sustenhorns, nachdem wir den flachen Teil des Gletschers verlassen hatten. Gut zu erkennen sind die tiefen Löcher, welche unsere Spur ausmachen. Der Schnee war durch die hohen Temperaturen ziemlich weich und so sackten wir bei jedem Schritt ein bisschen ein.

Eine Seilschaft mit der wir gestartet waren am Hang des Sustenhorns

Ganz oben in klein ist das Gipfelkreuz zu erkennen

Der Gipfel versteckte sich ziemlich gut erst in den Wolken und später hinter dem weiten Hang des Sustenhorns. Wie sahen ihn erst relativ spät auftauchen und dann zog es sich noch ein bisschen hin, bis wir ihn erreichten.

Chuck auf dem Gipfel des Sustenhorns

Wir erreichten den Gipfel des Sustenhorns auf 3503m um 9:34 Uhr. Wir waren in den letzten fünfeinviertel Stunden ca. 1400 Höhenmeter aufgestiegen. Die Wolken gaben einen kleinen Einblick ins Tal, versteckten aber weiterhin die umliegenden höheren Gipfel. Viel Sonne hatten wir noch nicht gehabt. Es war ziemlich windig auf dem Gipfel und wir entschieden uns, für unsere Rast wieder ein bisschen abzusteigen.

Seilschaft vor uns im Abstieg

Der gesamte Abstieg vom Gipfel bis zur Hütte dauerte inklusive Pause noch einmal zwei Stunden. Es ging der Aufstiegsspur entlang über den Gletscher zurück. An der Hütte trockneten wir das Seil, welches sich auf dem Gletscher ziemlich vollgesogen hatte, und aßen ein Stück Kuchen mit Kaffee und Kakao.

Blick vom Abstieg hinunter zum Sustenpass

Nach ca. 40 Minuten auf der Hütte packten wir wieder unsere Rucksäcke, obwohl noch nicht alles getrocknet war. Die Wolken in Richtung des Sustenpass gaben immer mehr den Blick auf unser Abstieg und unser Ziel frei. Nach einem schnellen Abstieg von 1h20 erreichten wir den Parkplatz, auf dem nun noch ein paar mehr Autos standen.


Bei der Abfahrt bemerkten wir einen kleinen Umschlag, der an den Scheibenwischer geklemmt war. Es handelte sich um eine Nachzahlungsforderung, da wir keinen Parkschein gehabt hätten. Unser gelöster Parkschein war auch tatsächlich nirgends zu sehen. Als wir uns am Morgen die Bergschuhe anzogen, fegte der Wind durch das Auto und blies den Parkschein weg. Ich legte ihn zurück aufs Armaturenbrett nahe der Scheibe. Entweder hat ihn der Wind noch einmal entfernt, oder er ist zwischen die Scheibe und das Armaturenbrett gerutscht. Er war nicht wiederauffindbar. Am Ende haben wir inklusive der Strafe die dreifache Parkgebühr gezahlt. 

1 Kommentar:

  1. Mein erster Gedanke beim Lesen: Wie kriegt man so früh eigentlich Frühstück runter. (Aber geht ja vermutlich nicht anders - der Körper brauchst...)

    1400 HM in gut 5 Stunden klingt auch wieder heftig. Scheint ja aber insgesamt eine sehr schöne Tour gewesen zu sein.

    Teile Schreibe übrigens, J.O.! Echt spannend, unverblümt und gut nachvollziehbar erzählt. Mit den Bildern zusammen gelingt es gut, sich gedanklich etwas in die verschiedenen Situationen rein zu denken und zu fühlen. Ein echtes Vergnügen zu Hause vorm Rechner!

    VG Lucien

    P.S.: Bild 13 fand ich so schön, dass ich nicht widerstehen konnte ;-) mich mal an einer Nachbearbeitung zu versuchen: http://bit.ly/1sF7M2v

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